Pianistenclub: Clara Schumann & Johannes Brahms

| Gasteig, Kleiner Konzertsaal

Abschlusskonzert der Reihe: Zum 200. Geburtstag von Clara Schumann

CLARA SCHUMANN UND JOHANNES BRAHMS

„Du bist mir so unendlich lieb.“
Aus einem Brief von Johannes Brahms an Clara Schumann, 31.05.1856

Ein romantischer Abend über die besondere Beziehung zweier Künstler:

Es gibt in der musikalischen Welt kaum eine schicksalhaftere Begegnung als diejenige von Clara Schumann mit Johannes Brahms. Der junge Komponist und Pianist aus Hamburg weilte als Gast im Düsseldorfer Haus der Familie Schumann, und der etablierte Tonkünstler, Dirigent und Schriftsteller Robert Schumann veröffentlichte am 28. Oktober 1853 in der Neuen Zeitschrift für Musik seinen berühmten Artikel „Neue Bahnen“, in dem er Brahms als vielversprechenden Künstler, „Genius“ und „Berufenen“ pries und ihm damit den Weg zu einer großen Karriere ebnete. Brahms bedankte sich auf seine Weise, stand in den schweren Jahren, in denen Robert Schumann an Depressionen litt, Clara Schumann zur Seite und kümmerte sich um Haushalt und Kinder, wenn Clara auf Konzertreisen war.

Clara Schumann ihrerseits spielte die Rolle der Muse und Ratgeberin, welche sie für Brahms zeitlebens blieb, nachdem dieser die jugendliche Schwärmerei für die Frau des Freundes überwunden hatte. Die geheimen Implikationen dieses Dreiecksverhältnisses wird man wohl nie mit letzter Sicherheit ergründen können. Wesentlich sind die Werke, die dieses Spannungsverhältnis der Nachwelt bescherte, Musik von Clara Schumann gehört selbstverständlich dazu.

Clara Schumann riss als Wunderkind das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin und konzertierte mit dem großen Triumph in ganz Europa. Sie spielte vor Johann Wolfgang von Goethe, schloss Bekanntschaft mit Niccolò Paganini und Franz Liszt. Daneben war sie seit 1878 „Erste Klavierlehrerin“ am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt. Im Alter von elf Jahren wurde ihr Opus 1 veröffentlicht, dann folgten weitere, hauptsächlich virtuose Klavierstücke für eigene Auftritte. Zur damaligen Zeit empfand man es als sehr ungewöhnlich, dass eine Frau als Komponistin wirkte.

Im Konzert erklingt das Klaviertrio op. 17, ein Werk mit liebreizenden Streicherkantilenen und einem brillanten Klaviersatz. Es ist ihr einziges Kammermusikwerk und war schon zu ihren Lebzeiten bekannt. Drei lyrische Romanzen runden Clara Schumanns Beitrag ab.

Von Johannes Brahms stammen die drei berühmten Klavierstück-Sammlungen op. 76 aus dem Sommer 1878 sowie op. 118 und 119 aus den Jahren 1892/93. Kompositorisch bemerkenswert ist hier vor allem die Hinwendung zur „kleinen Form“, mit einer gegenüber dem früheren Schaffen nochmaligen Steigerung des musikalischen Ausdrucks. Clara Schumann, die wohl heimliche Widmungsträgerin der Klavierstücke war, schrieb im November 1892 in ihr Tagebuch: „eine wahre Quelle von Genuss. Alles, Poesie, Leidenschaft, Schwärmerei, Innigkeit, voll der wunderbarsten Klangeffekte. In diesen Stücken fühle ich endlich wieder musikalisches Leben in meine Seele ziehen und spiele wieder mit wahrer Hingebung.“ Die Klavierstücke op. 119 sind eher ein geschlossener Zyklus als eine lockere Sammlung. Das Klavierschaffen von Johannes Brahms findet hier seine Vollendung. Johannes Brahms schrieb an Clara Schumann über das Intermezzo op. 119 Nr. 1: „Ich bin in Versuchung, Dir ein kleines Klavierstück abzuschreiben, weil ich gern wüsste, wie Du Dich damit verträgst. Es wimmelt von Dissonanzen! Diese mögen recht sein und zu erklären – aber sie schmecken Dir vielleicht nicht, und da wünsche ich, sie wären weniger recht, aber appetitlich und nach Deinem Geschmack. Das kleine Stück ist ausnehmend melancholisch, und ‚sehr langsam zu spielen' ist nicht genug gesagt. Jeder Takt und jede Note muss wie ritardando klingen, als ob man Melancholie aus jeder einzelnen saugen wolle, mit Wollust und Behagen aus besagten Dissonanzen! Herr Gott, die Beschreibung wird Dir Lust machen!"

Erleben Sie einen romantischen Abend über die besondere Begegnung zweier Künstler. Die Schauspielerin Karin Wirz wird aus Briefen zitieren und diese persönlichen Texte dem Publikum nahebringen.

Irina Shkolnikova/Heiko Stralendorff

Das Programm

Johannes BRAHMS (1833–1897)
Aus: Acht Klavierstücke op. 76 (1871/78)
Nr. 1 Capriccio. Un poco agitato (fis-Moll)
Nr. 2 Capriccio. Allegretto non troppo (h-Moll)
Nr. 4 Intermezzo. Allegretto grazioso (B-Dur)
Nr. 5 Capriccio. Agitato, ma non troppo presto (cis-Moll)
Nr. 7 Intermezzo. Moderato semplice (a-Moll)
Irina Shkolnikova, Klavier

Clara SCHUMANN (1819–1896)
Drei Romanzen op. 21 (1853)
Andante – Allegretto – Agitato
Olga Kigel, Klavier

Johannes BRAHMS
Sechs Klavierstücke op. 118 (1893)
Intermezzo. Allegro non assai, ma molto appassionato (a-Moll)
Intermezzo. Andante teneramente (A-Dur)
Ballade. Allegro energico (g-Moll)
Intermezzo. Allegretto un poco agitato (f-Moll)
Romanze. Andante – Allegretto grazioso (F-Dur)
Intermezzo. Andante, largo e mesto (es-Moll)
Lea Lee-Heller, Klavier

PAUSE

Johannes BRAHMS
Vier Klavierstücke op. 119 (1893)
Intermezzo. Adagio (h-Moll)
Intermezzo. Andantino un poco agitato (e-Moll)
Intermezzo. Grazioso e giocoso (C-Dur)
Rhapsodie. Allegro risoluto (Es-Dur)
Birgitta Eila, Klavier

Clara SCHUMANN
Klaviertrio G-Dur op. 17 (1846)
Allegro moderato
Scherzo. Tempo di menuetto
Andante
Allegretto
Klaviertrio Nymphenburg:
Sabrina Hausmann, Violine; Yorick-Alexander Abel, Violoncello; Carolin Danner, Klavier

Moderation: Karin Wirz
Idee und Konzept: Irina Shkolnikova und das „Schumann-Team“ mit Para Chang und Sylvia Dankesreiter

 

Quelle: Veranstalter - Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

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Veranstaltungsort

Rosenheimer Str. 5

81667 München

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Veranstalter

Pianistenclub e.V.