Sir Tralala

| Milla

Echt gute böse Lieder

Es gibt ja, oberflächlich betrachtet, einige schrullige Typen in der aktuellen österreichischen Szene. Vom hoch sympathischen Nino aus Wien, der wirkt, als stünde er immer leicht daneben, bis zu Voodoo Jürgens, dem Vorstadt-Strizzi aus Tulln, vom studierten Sprachwissenschaftler zum Donauinselfest. Magnet Marco Michael Wanda bis zum intellektuel ungreifbaren Wolkenkuckucksheim-Brudi Yung Hurn.

Und dann gibt es David Hebenstreit. Alias Sir Tralala. Er toppt sie alle. Bei einer präzisen Analyse seiner Qualitäten offenbart sich, dass er tiefer bohrt, rückhaltlos er rumort und abgründiger die Realität verdichtet als alle zuvor Genannten. Und die haben schon ordentlich was drauf, keine Frage. Ihr Erfolg ist verdient. Weil dieses Handvoll – es gäbe tatsächlich noch einige mehr zu nennen – dieses Land und seine Befindlichkeit mit einer lakonischen Erzähllaune, unerhörten Tiefenschärfe und liebevollen Detailtreue vermisst. Und ihre Pop-Reportagen aus dem Inneren der Deix’schen Seelenkammern uns lässig als Unterhaltung verkauft. Man kann nun nicht behaupten, Sir Tralala wäre ein Neuzugang in dieser Gesellschaft. Aber er hat nun endlich – nicht erstmals, aber letztlich fast –sein künstlerisches Vermögen in eine konventionelle Form gegossen: ein Album. „Echt gute böse Lieder“. Es erschien im September 2018 auf Schallter/monkey. (Vertrieb: Rough Trade), trägt aber, so unverkennbar wie unsichtbar, auch seinen eigenen Label – Stempel: Autonomos Lordship Records.

Der Mann weiß, was er will. Was er kann. Und was er tut. Man erinnere sich: als Hebenstreit a.k.a. Tralala um die Jahrtausendwende mit seinem Debutalbum „Flying Objects, They Don`t Have a Brain“ erstmals in die österreichische Subkultur vordrang, hörte man den Krach bis nach Deutschland. Während im Bayerischen Rundunk der Geisteszustand des Musikers diskutiert wird, hilft er – von Wien aus Clubs, Labels und Kollegen auf die Sprünge, musiziert als Gast auf mehr als dreißig veröffentlichten Alben, komponiert und produziert Musik zu Kino- und Fernsehfilmen, geht mit Naked Lunch auf Nightliner-Tour, bereichert als Instrumentalist die Bühnenauftritte von Soap& Skin, Der Nino aus Wien, der Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune und vielen anderen, produziert nebenher einen Tonträger für die Band des noch völlig unbekannten Voodoo Jürgens, veranstaltet Wanda mit einem Budget von knapp 120 Euro, die für dieses Saläreine Stunde lang Nirvana-Coverversionen spielen, und steht bei bislang rund eintausend Konzertenin zwölf Ländern selbst auf der Bühne. Für Vollständigkeitsfanatiker: David Hebenstreit ist am 18.10.1978 in Wien geboren und hat Harmonielehre, Orchesterspiel, Violine und Gehörbildung, am Landeskonservatorium in Klagenfurt studiert. Nun also das opus magnum: „Echt Gute Böse Lieder“. Abstruse Liebesballaden, Außenseiter-Hymnen, Familiendrama-Begleitmusik und Song-Kleinode über weltumspannende Arschlöcher stehen da zur Verkostung parat, auch Tod und Teufel bekommen den ihnen zustehenden Raum und Rang.

 

Quelle: Veranstalter - Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

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