Theater Fürstenfeld 9. Saison - Nikolaus Habjan

| Veranstaltungsforum Fürstenfeld, Stadtsaal

Der Herr Karl

Von Helmut Qualtinger und Carl Merz / Inszenierung: Simon Meusburger

Teil der Abonnementreihe „Theater Fürstenfeld“

„Wiener Blut“ jault aus dem Grammofon, drei Puppen baumeln von der Decke eines schäbigen Kaffeehauses: Ein alkoholisierter, unverbesserlicher Alt-Nazi, eine in die Jahre gekommene Bardame und ein Oberkellner mit Wiener Schmäh, der sich gern an seine zahlreichen Liebschaften erinnert. Alle drei verkörpern den „Herrn Karl“, jenen schmierigen, opportunistischen Mitläufer, den Helmut Qualtinger als Personifikation der österreichischen Seele brandmarkte und den der grandiose Puppenspieler Nikolaus Habjan in dreifacher Gestalt wiedererweckt hat.

Dieser hochbegabte Tausendsassa wurde innerhalb kürzester Zeit zum umjubelten Star. Wenn er seine Puppen mit einer unglaublich wandlungsfähigen Stimme, einer virtuosen Spieltechnik zum Leben erweckt und noch dazu in die Rolle des jungen Hilfskellners schlüpft, der zwischen die Fronten sich bekriegender oder umschmeichelnder Puppen gerät, entwickeln diese mit ihren erschreckend menschlichen Eigenschaften ein so intensives Eigenleben, dass sie das Spiel zu lenken scheinen. Sie schwärmen und klagen über frühere Zeiten, in denen alles Mal besser, Mal furchtbar war. Ob als Sozialist, Christsozialer oder Nazi, man war immer dabei, wenn es eine Hetz gab, wenn man die Juden die Straße hat aufwischen lassen, sich über gutgläubige, vom Führer verführte Menschen mokiert hat oder nach dem Krieg die kranke Frau verlassen musste, weil sie zur Belastung wurde. So wird mit zunehmender Weinseligkeit manche Flasche geöffnet, die besser verschlossen geblieben wäre. Mit hintersinnigen Anspielungen auf heutige Verhältnisse erschafft Habjan allgegenwärtige Charaktere, die als ewige Mitläufer alle Zeiten überdauern und dunkle menschliche Abgründe offenbaren, bei aller Boshaftigkeit aber auch sehr anrührend sein können.

„Man wird über den Herrn Karl lachen und weinen, man wird ihn verdammen und bemitleiden, man wird ihn zitieren, man wird ihm – als höchste Bestätigung seiner Gültigkeit – auf Schritt und Tritt begegnen. Sein scheinbar zufälliges Gerede enthält in konzentrierter Form die Substanz eines Zeitromans oder eines Zeitstücks, ist zugleich Zeugnis einer Epoche, Enthüllung einer Haltung und Ergebnis souveräner literarischer Gestaltung, mit einem Wort: ein Stück Welt.“ (Hans Weigel, Schriftsteller und Theaterkritiker)

„Habjan verleiht dem ‚Herrn Karl‘ eine eigene, erfrischende Note. In Zeiten, in denen Teile der Gesellschaft an den braunen Rand driften, lässt diese ebenso bissige wie feinsinnige Satire aufhorchen. Man möchte nicht aufhören, den Anekdoten zu folgen - skizzieren sie doch eine Vergangenheitsbewältigung, die Unheilvolles erahnen lässt“ (Wordpress Graz)

Nikolaus Habjan wurde mit dem wichtigsten österreichischen Theaterpreis, dem NESTROY, ausgezeichnet.

Quelle: Veranstalter - Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

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Kategorie 2 24,00 EUR
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