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Queere Lyrik
Alexander Schnickmann, Gestirne & Anna Julian Mendlik, Dante im Darkroom
Moderation Jan Geiger
der Himmel düster & leer
ein schwacher Schein
über Bäumen
die Spur einer Spur - Gestirne
Bei dieser Veranstaltung treffen zwei Größen der deutschsprachigen Lyrikszene aufeinander: Alexander Schnickmann und Anna Julian Mendlik. In ihren neu erschienenen Gedichtbänden eröffnen sie einen Raum, der sich in höchste Höhen und tiefste Tiefen erstreckt und dabei im Zusammenspiel von (Neon)Licht und Dunkelheit schimmert.
In Schnickmanns Gestirne. Weltraumgedichte richtet das Ich seinen Blick sehnsuchtsvoll in die Weite des nächtlichen Himmels. Schlaflos und umhüllt von Dunkelheit sucht es nach den Körpern der Planeten, der Geliebten, die nah und fern zugleich erscheinen. Erinnerungen an vergangene Nächte überlagern sich mit den traumhaften Beobachtungen der Gestirne und der Bewegungen des Kosmos. Im endlosen Raum des Weltalls findet sich dabei das Allernächste: die irdisch-himmlische Liebe. Gestirne ist Liebesgeschichte und Himmelskartographie. Der Band nimmt uns mit durch Krater und Dämpfe, die Stoffe der Welt und die Windungen der Sphären.
Mendlik durchquert in Dante im Darkroom mythologische und biblische Landschaften und schreibt dabei die kanonischen Erzählungen um. Die Gedichte bewegen sich zwischen der Ikonographie von Dantes Göttlicher Komödie und Räumen queerer Sexualität – Darkroom und Paradies werden zu Spiegelbildern, zwischen Safeword und Gebet. Sexuelle Praktiken werden als liturgische Akte zelebriert; ein Begehren wird explizit, das in der dichterischen Überlieferung oft keine Stimme hatte. „Diese Lyrik schreibt die großen Erzählungen des Kanons aus einer queeren Gegenwart heraus weiter und zeigt, wie beweglich Mythos sein kann, wenn die Körper, die ihn bevölkern, selbst sprechen dürfen.“ (Alexandru Bulucz, buchkultur)
nur wer die wahrheit leugnet, glaubt
an unsre heiligkeit
belladonnen, gefallene engel
die lichter des himmels sind uns zu grell - Dante im Darkroom
Alexander Schnickmann, 1994 geboren, aufgewachsen in Bergkamen im Ruhrgebiet, lebt als Schriftsteller in Berlin. 2023 wurde er mit dem Leonce-und-Lena-Preis ausgezeichnet. Essays, Prosa und Gedichte erschienen in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien. Sein Debüt requiem erschien 2024 bei Matthes & Seitz Berlin. Zuletzt erschien der Gedichtband Gestirne, ebenfalls bei Matthes & Seitz Berlin. Für seine Erzählung Fuck Nature, Start Writing wurde er 2026 mit dem Deutschen Preis für Nature Writing ausgezeichnet.
Anna Julian Mendlik (*1986), lebt als Autorin in Berlin, zuletzt erschienen die Lyrikbände Pandoras Playbox (2022) und Dante im Darkroom (2026). Sie beteiligte sich an vielen künstlerischen Kooperationen zum Austausch von Lyrik und visueller Kunst, Musik oder Gebärdensprachpoesie. Ihre Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Basler Lyrikpreis 2023. Im Literarischen Colloquium co-kuratierte sie 2024 das Festival Coming Out, Inviting In.
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