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„30th Anniversary Tour“
Playing songs from Placebo & Without You I’m Nothing
Manchmal beginnt eine Geschichte nicht am Anfang, sondern im Echo. Ein Gitarrenakkord, der nachhallt wie eine Erinnerung, eine Stimme, die sich anfühlt, als hätte sie die Jahre überdauert ohne leiser zu werden. Drei Jahrzehnte nach ihrem Debüt holen Placebo genau dieses Echo zurück – und stellen fest, dass es nie wirklich verschwunden war.
1996, auf dem Höhepunkt des Britpop, war diese Band ein Störgeräusch. Während andernorts Bier, Nation und Nostalgie gefeiert wurden, sang Brian Molko von Androgynität, Sucht und Entfremdung. Es war Musik wie ein offenes Geheimnis: verletzlich, provokant, radikal ehrlich. Songs wie „Nancy Boy“ oder „36 Degrees“ waren keine Hits im klassischen Sinn, sondern Statements. Scharfkantig, unbequem, notwendig.
Mit Placebo „RE:CREATED“ wird dieses Debüt nun nicht einfach neu aufgelegt, sondern neu gelesen. Eher Director’s Cut als Remaster. Die Band hat die alten Masterbänder geöffnet und etwas hinzugefügt, das sich nicht im Studio herstellen lässt: drei Jahrzehnte Live-Erfahrung. Denn diese Songs haben sich auf der Bühne verändert, Nacht für Nacht, Stadt für Stadt. Sie sind gewachsen, roher geworden, manchmal zarter. Live, das war schon immer der Ort, an dem Placebo sich vollendeten.
Wer einmal erlebt hat, wie Molkos Stimme einen Raum durchschneidet, weiß, dass hier keine Nostalgie verwaltet wird. Es ist eher ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die neuen Versionen tragen noch immer die Nervosität der Neunziger in sich, aber auch die Wucht einer Band, die gelernt hat, sich selbst zu vertrauen. Es geht nicht um Verbesserung, sagen sie, sondern um Vollendung.
Vielleicht ist das der eigentliche Kern dieses Projekts: ein Innehalten, ohne stillzustehen. Ein Blick zurück, der nicht verklärt, sondern schärfer macht, was damals schon angelegt war. In einer Gegenwart, in der Fragen nach Identität, Körper und Zugehörigkeit wieder mit neuer Härte verhandelt werden, wirken diese alten Songs plötzlich wieder erstaunlich aktuell.
Medien/Artist
Placebo stehen seit Mitte der 90er für dunklen, emotional aufgeladenen Alternative Rock aus London – mit Glam‑Attitüde, androgynem Look und einem Sound zwischen Gitarrenwand und elektronischen Texturen. Die Band um Brian Molko und Stefan Olsdal hat sich ihren Platz zwischen Mainstream‑Headliner und Kultband erspielt: „zu alternativ, um ganz Mainstream zu sein, zu groß, um nur Geheimtipp zu bleiben“. Besonders in Europa, Russland und Lateinamerika fühlen Fans ihren unverwechselbaren Mix aus Intensität, Melodie und schonungslosem Blick auf die eigene Gefühlswelt.
Gegründet wurde Placebo 1994 in London von Sänger/Gitarrist Brian Molko und Bassist/Gitarrist Stefan Olsdal, die sich aus der Schulzeit kannten und sich in London wiedertrafen. Nach den ersten Schritten unter dem Namen Ashtray Heart setzten sie auf „Placebo“ – vom lateinischen „Ich werde gefallen“. Mit dem selbstbetitelten Debütalbum Placebo (1996) brachen sie radikal mit der damals dominierenden Britpop‑„Lad“-Kultur: Molkos nasale, androgyne Stimme, das queere, gender‑bending Image und Songs wie „Nancy Boy“, „Teenage Angst“ oder „Bruise Pristine“ brachten sie in die UK‑Charts und auf alternative Radiosender.
Der Durchbruch über Großbritannien hinaus gelang mit Without You I’m Nothing (1998), das in UK und Frankreich Platinstatus erreichte. Der Titelsong wurde als Duett mit David Bowie neu aufgenommen – ein künstlerischer Schulterschluss, der Placebos Nähe zu Art‑Rock‑Ikonen unterstrich und sie auf gemeinsame Tourneen führte. Mit Alben wie Black Market Music (2000) und Sleeping With Ghosts (2003) verschob die Band ihren Sound in dunklere, elektronischere und teils hip‑hop‑geprägte Bereiche. Die Best‑of‑Sammlung Once More with Feeling: Singles 1996–2004 markierte diesen ersten Karriere‑Block und zeigte, wie viele ihrer Songs längst zu Klassikern des europäischen Alternative Rock geworden waren.
In den folgenden Jahren experimentierten Placebo weiter: Meds (2006), Battle for the Sun (2009), Loud Like Love (2013) und Never Let Me Go (2022) integrierten mehr Synths, Industrial‑Elemente und weit gespannte Pop‑Strukturen – ohne den düsteren Kern aufzugeben. Musikalisch knüpfen sie an Sonic Youth, Pixies, Nirvana, The Smashing Pumpkins, The Smiths, Echo & The Bunnymen und elektronische Größen wie Depeche Mode an. Hits wie „Every You Every Me“, „Pure Morning“, „The Bitter End“, „Special K“, „Song to Say Goodbye“ oder ihre atmosphärische Version von „Running Up That Hill“ stehen für ihren unverwechselbaren Stil und ihre Fähigkeit, große Gefühle direkt spürbar zu machen.
Auf der Bühne werden ihre Songs zu intensiven Momenten, in denen sich Fragen nach Identität, Queerness, Mental Health und dem Leben im digitalen Zeitalter bündeln. So prägen Placebo seit Jahrzehnten nicht nur Festivals und Konzerte, sondern auch die kulturelle Diskussion rund um alternative, queere Rock‑Ästhetik – ein Live‑Erlebnis, das man in unserer Stadt dahoam fühlen kann.
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