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- 05.06.05.06.202620:0020:00UhrMathias EgersdörferMünchenMünchner Lustspielhaus
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Auch im neuen Programm „Langsam“ führt der Kabarett-Psychologe Matthias Egersdörfer das Lustspielhaus-Publikum in emotionale Abgründe.
Warum muss man bei Matthias Egersdörfer eigentlich lachen? Bei einem leicht untersetzten, betont fränkischen Griesgram, der selten seine mürrische Miene verzieht. Der gerne mal das Publikum beschimpft und Huster, Knisterer oder Handy-Klingler noch radikaler anfährt als einst ein Keith Jarrett („du blöde Sau!“). Und der inhaltlich zunächst einmal wenig mehr anbietet als trüben Kleinbürger-Alltag. Weil, wie man im Lustspielhaus bei der Premiere des neuen Programms „Langsam“ wieder erleben konnte, diese schlichte Kunstfigur eine unerwartete Dynamik, eine absurde Größe und unerreichte Tiefe entwickelt.
Wie immer geht es bei Egersdörfer ganz unscheinbar, unaufgeregt und gemächlich los. Da räsonniert er darüber, dass er „in den sauren Apfel beißen“ und mit der Frau in Urlaub fahren muss. Weil zu Hause zu Vieles schon zu lange und zu oft „angeschaut worden ist“. Obwohl ihn im Hotel schon das Frühstücksbuffet völlig überfordert und die Urlaubsroutine ihm absurde Ketten-Albträume bereitet.
Schon da deutete sich Egersdörfers Methode an, die dann Zug um Zug Fahrt aufnahm: Aus den einfachsten Alltagsbegebenheiten und dem scheinbar Autobiografischen entwickeln sich – erst über Abweichungen von der sprachlichen Norm, dann inhaltlich – zunehmend gespenstischere Aberrationen und Fantasien. Das Unterdrückte, Unbewusste, Verdrängte, das bei Nietzsche „Allzumenschliche“ drängt hervor und bricht sich auf so absurde Weise Bahn, dass es nur durch Lachen zu bewältigen ist.
In mehreren Episoden und Erzählsträngen führt Egersdörfer das vor. Dank seiner meisterlichen, weil für das Publikum nicht merklichen sprachlichen und mimischen Kontrolle – niemand sonst scheint so laut zu schreien, obwohl er gar nicht wirklich schreit – immer wieder aufs Neue überraschend, verblüffend, ja mitunter bestürzend. So erlebt auch der Programm-Aufhänger, das Lob der Langsamkeit, eine bemerkenswerte Steigerung.
Von der ersten, unverfänglichen Eloge auf den früh verstorbenen Freund und Kollegen Ludwig Moll als „Meister der Langsamkeit“ (authentisch, aber auch schon mit seltsamen, sicher nicht mehr von der Realität gedeckten Anekdoten angereichert) geht es über die Vorzüge eines durch seine schleppende, ja abweisende Bedienung hervorstechendes alten Wirtshauses bis zum sehr expliziten stiefväterlichen Ratschlag, Sex durch Langsamkeit und Pausen bis zur Raserei zu steigern.
Von der Kunst des Einschlafens landet ein Egersdörfer eben schnell bei triebhafter Persönlichkeitsstörung. Und das Publikum muss dann nicht nur eine verzögerte Lesung aus der Biografie von Charles Mingus aushalten, sondern auch noch die vollen sechseinhalb Minuten von „Solo Dancer“, dem aufwühlenden ersten Stück des wegweisenden Albums „The Black Saint and the Sinner Lady“ von 1963. Für Jazzfans ein großes Vergnügen, für die meisten anderen wohl mindestens anspruchsvoll.
Wer genau hinhört und hinschaut, wird merkwürdige Resonanzen dieses Geschehens bei sich feststellen. Diese sanfte Form von Masochismus befriedigt niemand so meisterlich wie Matthias Egersdörfer, die Domina des Kabaretts.
Für Gruppenreservierungen ab 5 Personen bitten wir Sie, unser Kartenbüro zu kontaktieren, um eine individuelle und bestmögliche Platzierung zu gewährleisten. Um Plätze für Rollstuhlfahrer*innen zu erhalten, kontaktieren Sie bitte unser Kartenbüro unter [email protected]. Sind Sie im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit Kennzeichen "B", so erhalten Sie eine Freikarte für die Begleitperson. Neben einer umfangreichen Getränkeauswahl bietet die Lustspielhaus-Gastronomie auch warme und kalte Speisen an. Die aktuelle Speisekarte finden Sie unter www.lustspielhaus.de/gastronomie.Sie haben mit Ihrer Eintrittskarte eine feste Tischbuchung, am Tisch selbst ist freie Platzwahl. Wir bitten Sie, Ihre Plätze bis spätestens 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung einzunehmen.
Münchner Lustspielhaus
Occamstraße 8
80802 München
