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- 23.04.2723.04.27 Freitag20:0020:00UhrJENNIFER ROSTOCKMünchenZenith - Die Kulturhalle
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Acht Jahre Pause sind im Musikgeschäft ungefähr drei Leben. Genug Zeit, damit sich Mythen bilden, Abschiede verfestigen und aus einem „bis bald“ langsam ein „wahrscheinlich nie wieder“ wird. Nur: Jennifer Rostock haben nie von einem Ende gesprochen. Sondern von einer Pause. Und wie sich jetzt herausstellt, war das keine diplomatische Floskel. Sondern ein Versprechen.
Als Jennifer Rostock 2018 vorerst von der Bildfläche verschwanden, hinterließen sie eine Lücke, die bis heute niemand so richtig schließen konnte. Vielleicht, weil diese Band schon immer mehr war als die Summe ihrer musikalischen Einzelteile. Zwischen Rock, Pop, Punk, Elektro, Indie, NDW und Rap bauten Jennifer Rostock einen Sound, der Grenzen so selbstverständlich eingerissen hat, als wären sie nie da gewesen. Vor allem aber stand diese Band immer für Haltung. Nicht als Accessoire. Sondern als Selbstverständlichkeit. Große Fresse – und eben auch etwas dahinter.
Sechs Studioalben, zwei Live-Alben, eine EP. Insgesamt neun Releases in elf Jahren. Die letzten sechs davon landeten allesamt in den Top 10 der deutschen Charts, fünf sogar in den Top 5. Hunderte Konzerte, Festivalnächte, Moshpits, Glitzer, Schweiß, politische Statements, Eskalation und Euphorie. Jennifer Rostock waren die Band, zu der man sich gefunden hat. In deren Musik man sich verloren hat. Oft beides an einem Abend.
Und mittendrin: Jennifer Weist und Joe Walter. Das konstante Zentrum einer Band, die sich immer bewegt hat. Die beiden kennen sich seit dem Kindergarten, machen seit ihrem zwölften Lebensjahr zusammen Musik. Auch wenn sich über die Jahre vieles geändert hat und Projekte kamen und gingen, blieb ihre kreative Verbindung bestehen – als musikalischer Maschinenraum der Band. Jennifer Rostock entstanden über Jahrzehnte gemeinsamer Geschichte, gemeinsamer Referenzen und einer künstlerischen Sprache, die sich über die Jahre nicht abgenutzt, sondern geschärft hat.
Dass die Band jetzt zurückkommt, wirkt deshalb weniger wie ein Comeback als wie eine Fortsetzung. Eine, die vielleicht genau jetzt passieren musste. Denn der gesellschaftliche Ton ist rauer geworden. Rechtsruck, Queer-Feindlichkeit, Misogynie, digitale Dauerempörung, politische Müdigkeit – all das bildet den Hintergrund einer Gegenwart, die wieder nach klaren Stimmen verlangt.
Jennifer Rostock waren nie besonders gut darin, den Mund zu halten. Zum Glück. Ihre Songs waren immer dann am stärksten, wenn sie Reibung erzeugten: zwischen Leichtigkeit und Wut, zwischen Pop-Appeal und Protest, zwischen scharfem Humor und echtem Schmerz. Und vielleicht braucht es gerade wieder genau diese Art von Band. Eine, die Dinge beim Namen nennt, ohne dabei den Spaß zu vergessen. Eine, die Menschen mitreißt und zusammenschweißt. Eine, die daran erinnert, dass die Zukunft nicht aus Angst, sondern aus Mut gebaut wird.
Jennifer Rostock kehren nicht zurück, um ihre eigene Vergangenheit zu verwalten. Sie haben so viel Neues zu erzählen. Neue Gründe, laut zu werden. So vieles, das raus muss. Und genau deshalb sind sie wieder da. Mit mehr Erfahrung, mehr Narben, mehr Klarheit – aber immer noch mit derselben Lust an Widerspruch, Haltung und Eskalation. Jennifer Rostock kommen zurück, weil sie noch immer daran glauben, dass Musik Menschen bewegen kann. Dass man gemeinsam etwas verändern kann.
Die Pause ist vorbei.
Medien/Artist
Jennifer Rostock stehen für deutschsprachigen Rock mit Haltung: laut, direkt und mitreißend. Die Band aus Berlin – ursprünglich von der Ostseeinsel Usedom – mischt Rock, Alternative, Punkrock, Pop‑Punk, Electropop und NDW‑geprägten New Wave zu einem eigenen, energiegeladenen Sound. Im Zentrum: Frontfrau Jennifer Weist mit unverwechselbarer Stimme, klarer Meinung und einer Bühnenpräsenz, die man live einfach fühlen muss.
Gegründet 2007 in Berlin nach den gemeinsamen Schulband‑Anfängen von Weist und Keyboarder Johannes „Joe“ Walter‑Müller auf Usedom, ging es rasant nach oben: Erste Clubshows, Support‑Gigs und der Deal mit Warner Music führten zur Debüt‑EP „Ich will hier raus“. 2008 folgte mit „Kopf oder Zahl“ der Durchbruch beim Bundesvision Song Contest, das Album „Ins offene Messer“ stieg in die Charts ein. Mit „Der Film“ (2009) und vor allem „Mit Haut und Haar“ (2011, Top‑5 in Deutschland) etablierte sich die Band endgültig als feste Größe im deutschsprachigen Rock.
Musikalisch verbinden Jennifer Rostock druckvolle Gitarrenriffs, punkige Energie, große Pop‑Hooks und prägnante Synth‑Lines. Alben wie „Schlaflos“ (2014, Platz 2 der deutschen Charts) und „Genau in diesem Ton“ (2016) zeigen ihre ganze Bandbreite – von aggressiven Uptempo‑Nummern bis zu hymnischen Midtempo‑Songs. Texte wie in „Fehler im System“, „Alles muss man selber hassen“ oder „Wir schon wieder“ sind direkt, sarkastisch, oft dunkel‑humorvoll und greifen Themen wie Beziehungen, Nachtleben, Entfremdung, Politik und Geschlechterrollen auf – immer klar positioniert und häufig feministisch gelesen.
2012 dokumentierte das Live‑Album „Live in Berlin“ die wachsende Größe ihrer Konzerte, bei denen Mitsing‑Momente, Interaktion mit dem Publikum und ein intensives Club‑Gefühl auch in größeren Hallen dahoam sind. 2017 bündelte „Worst of Jennifer Rostock“ die wichtigsten Songs vor einer angekündigten längeren Pause, der letzte Auftritt vor der Band‑Auszeit fand am 13.05.2018 in der ausverkauften Columbiahalle in Berlin statt. Seitdem führt Jennifer Weist ihr Schaffen mit dem Soloprojekt Yaenniver fort, während das Band‑Repertoire in Playlists, Clubs und auf Partys weiterlebt.
Mit ihrer Mischung aus NDW‑Anklängen, Punk‑Attitüde, deutlichen Worten und einer starken, tätowierten Frontfrau haben Jennifer Rostock die deutschsprachige Rock‑ und Pop‑Punk‑Szene der 2000er und 2010er entscheidend mitgeprägt – gerade für ein junges, diverses Publikum. Ihre Songs klingen auf Festivals, in Clubs und Hallen nach, schaffen gemeinsame Erlebnisse und zeigen, wie Live‑Events Kultur lebendig halten: laut, widersprüchlich, inklusiv – und immer ziemlich genau „in diesem Ton“.
Zenith - Die Kulturhalle
Lilienthalallee 29
80939 München
