Pianistenclub: Die jungen Steilwandsteiger

| Remise im Schloßpark Fußberg

DIE JUNGEN STEILWANDSTEIGER
Matinee mit Preisträgern renommierter Wettbewerbe

Im zweiten Konzert der Reihe mit jungen Künstlern stellen sich in der Remise in Gauting sieben Musiker im Alter von 14 bis 19 Jahren unter dem Titel „Die jungen Steilwandsteiger“ vor. Ihre künstlerische Entwicklung ist rasant, sie nehmen an Meisterkursen und Wettbewerben teil, spielen in verschiedenen Orchestern und geben zahlreiche Konzerte. Somit sind sie durchaus vergleichbar mit Bergsteigern, die immer höher hinauswollen und denen keine Rinne oder Steilwand zu anspruchsvoll ist.

Die 16-jährige Anna Karácsonyi, ein neues Mitglied, beginnt das Konzert mit Beethovens Sonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 in vier Sätzen. Widmungsträgerin ist Gräfin Anna Margarete von Browne, Ehefrau eines bedeutenden und großzügigen Gönners Beethovens. Das Werk verbindet strahlende Brillanz und tiefste Depression, lässt sich vielleicht als Abbild verschiedener psychologischer Vorgänge beschreiben. Der 1. Satz in ausgelassener Stimmung, im 2. Satz Absturz in tiefste Trauer und Depression. Es braucht dann zwei weitere Sätze, um sich von diesem schmerzlichen Grundton zu erholen. Im letzten Satz schafft Beethoven fast die Kehrtwende…

Francis Poulencs Sonate von für Oboe und Klavier ist von ganz anderem Charakter. Sie ist eines seiner letzten Werke und das letzte Musikstück für ein Holzblasinstrument. Sie ist Sergej Prokofjew gewidmet, dessen Stil Poulenc sich vor allem für den 2. Satz zum Vorbild nahm, und in der ungewöhnlichen Satzfolge langsam–schnell–langsam notiert. Ein besonderes Werk, das selten zu hören ist! Gespielt von Marlene Durner (19) und Konstantin Egensperger (14), beide Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“.

Vor der Pause hören wir drei kürzere Werke für Violine und Klavier. Die beiden 16 jährigen Künstler Maurice Poschenrieder und Marinus Prey geben zusammen ihr Debut mit entspannter Musik: einer Mazurka des finnischen Komponisten Jean Sibelius, einer spanischen Romanze von Pablo de Sarasate und „Salut d‘amour“ von Edward Elgar.

Nach der Pause erleben wir den 19-jährigen Star-Pianisten Sebastian Fuß. Er studiert inzwischen in Leipzig an der Musikhochschule und spielt für uns ein Programm mit Beethovens Sonate Nr. 27 e-Moll op. 90, einem Chopin-Scherzo und drei späten Etüden von Alexander Skrjabin. Beethovens Sonate überrascht uns mit ganz anderen Formen und Klängen als die frühe Sonate vom Anfang des Konzerts. Der 44-jährige Komponist war schon weitgehend taub, seine Gönner verstarben einer nach dem anderen, und im Kompositionsjahr der Sonate verschied auch Carl von Lichnowsky, der Beethoven jahrzehntelang unterstützte. Diese Sonate widmete er dessen Bruder Graf Moritz von Lichnowsky. Chopins Scherzo Nr. 3 cis-Moll, vereint hochromantisch Oktavendonner mit einem himmlischen Choral und erhielt so den Beinamen „mit dem Engel-Chor“. Alexander Skrjabins letzte Etüden op. 65 ähneln schon fast der Musik des späten Debussy. Sie sind nicht mehr tonal, sondern beinhalten als Klangmaterial jeweils ein obligatorisches Intervall wie die große None oder große Septime. Eine äußerst ausgefeilte Musik, die Spaß macht zu hören.

Die Geigerin Leah Sinka (18) beendet das Konzert, begleitet von Birgitta Eila. Bezugnehmend auf das zweite Werk hören wir zum Abschluss Prokofjews 2. Violinsonate in D-Dur. Sie entstand 1942/43 während seiner Evakuierung in Molotow, wie die sibirische Stadt Perm von 1940 bis 1957 hieß. Dieses Musikstück ist eine Bearbeitung der Flötensonate in D-Dur, wobei der berühmte Geiger David Oistrach Prokofjew bei der Transkription beriet. Die beiden spielten auch die Uraufführung des Werks in Moskau, was ein einhelliger Erfolg wurde. Diese Sonate wird somit die Matinee der jungen Steilwandsteiger grandios beenden.
 
Lassen Sie sich von der Musik der hier ausgewählten besonderen Werke verzaubern und genießen Sie das Flair der Künstler. Mit Geschichten zu den Musikern und den Komponisten wird Sie Bernd Schmidt durch den Abend begleiten.
 
Das Programm

Ludwig van BEETHOVEN (1770–1827)
Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 (1796/98)
    Presto
Largo e mesto
Menuetto. Allegro
Rondo. Allegro
Anna Karácsonyi, Klavier

Francis POULENC (1899–1963)
Sonate für Oboe und Klavier (1962)
    Élégie. Paisiblement, sans presser
Scherzo. Très animé
    Déploration. Très calme
Marlene Durner, Oboe
Konstantin Egensperger, Klavier

Jean SIBELIUS (1865–1957)
Aus: Fünf Stücke für Violine und Klavier op. 81 (1915–18)
    Nr. 1: Mazurka

Edward ELGAR (1857–1934)
Salut d'amour op. 12 (1888/89), Fassung für Violine und Klavier

Pablo de SARASATE (1844–1908)
Aus: Spanische Tänze op. 22 (1879)
    Nr. 3: Romanza Andaluza

Maurice Poschenrieder, Violine
Marinus Prey, Klavier

PAUSE

Ludwig van BEETHOVEN
Klaviersonate Nr. 27 e-Moll op. 90 (1814)
    Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck
    Nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen

Frédéric CHOPIN (1810–1849)
Scherzo cis-Moll op. 39 (1839)

Alexander SKRJABIN (1872–1915)
Drei Etüden op. 65 (1911/12)
    Allegro fantastico
    Allegretto
    Molto vivace

Sebastian Fuß, Klavier

Sergej PROKOFJEW (1891–1953)
Aus: Violinsonate Nr. 2 D-Dur op. 94a (1943/44)
    1. Satz: Moderato
    2. Satz: Presto – Poco più mosso del – Tempo I
Leah Sinka, Violine
Birgitta Eila, Klavier

Moderation und Konzept: Bernd Schmidt
Idee: Florian Prey und Bernd Schmidt

 

Veranstalter: Remise Schloss Fußberg Gauting e. V.
in Zusammenarbeit mit dem Pianistenclub e. V.

Quelle: Veranstalter - Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

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Veranstaltungsort

Am Schloßpark 15

82131 Gauting

DE

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Veranstalter

Pianistenclub e.V.