Gespräche Gegen Das Vergessen

| Münchner Volkstheater

Die jährlichen „Gespräche gegen das Vergessen“ rücken in diesem Jahr ein längst abgeschlossen geglaubtes Kapitel der Nachkriegszeit ins Licht: Die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen. In welchem gesellschaftlichen Klima wurde über Schuld und Unschuld geurteilt? Wie verstrickt waren die Ämter noch Jahre nach dem Krieg in eine braune Vergangenheit? Und: Was hat das Thema noch heute mit uns zu tun?

Über diese und weitere Fragen spricht Moderator Andreas Bönte mit der Zeitzeugin und Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano und dem Oberstaatsanwalt a.D. Dr. Dietrich Kuhlbrodt. Ebenfalls zu Gast sind Kabarettist Christian Springer, der in Syrien jahrelang auf der Suche nach dem NS-Täter Alois Brunner war, sowie Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des „Fritz Bauer Instituts“ in Frankfurt.

„Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“ Fritz Bauer

Esther Bejarano war 19 Jahre alt, als sie nach Auschwitz deportiert wird. Die Hölle des Holocaust überlebt sie als Musikerin im sogenannten „Mädchenorchester von Auschwitz“. In Zeitzeugengesprächen und mit ihrer Musik will sie vor allem die Jugend erreichen und sagt:  „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“ Für die Veranstaltung steht die 93jährige Menschenrechtsaktivistin auch mit der Rap-Gruppe „Microphone Mafia“ auf der Bühne.

Der 85jährige Oberstaatsanwalt a.D., Dr. Dietrich Kuhlbrodt berichtet von den Widerständen, die ihm entgegen schlugen, während er als junger Staatsanwalt in der „Zentralen Stelle zur Verfolgung von NS-Gewaltverbrechen“ arbeitete und wie es dazu kam, dass sein wichtigster Fall „Der Alsterdorfer Massenmord“ eingestellt wurde. Und warum seiner Meinung nach nur eine geringe Anzahl an Naziverbrechern vor Gericht gebracht wurden.

Zum Beispiel der NS-Täter Alois Brunner: Er wird für die Ermordung von über 120.000 Menschen verantwortlich gemacht und konnte ungesühnt zunächst jahrelang in Deutschland, später in Syrien leben. Weil die deutschen Behörden untätig blieben, machte sich der Kabarettist Christian Springer als junger Mann auf eigene Faust auf die Suche nach ihm. Er erzählt von seinen Beweggründen und unglaublichen Erlebnissen während dieser jahrzehntelangen Suche.

Als wissenschaftliche Stimme kommt Frau Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt zu Wort. Hier wird die Geschichte der NS-Massenverbrechen und deren Wirkung bis in die Gegenwart erforscht und vermittelt. Dabei ist das Institut dem Andenken an Fritz Bauer verpflichtet – ohne den jüdischen Remigranten und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hätte es keine Auschwitz-Prozesse gegeben.

Quelle: Veranstalter - Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

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Veranstaltungsort

Brienner Straße 50

80333 München

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Veranstalter

Münchner Volkstheater GmbH