ADA von Karina Smigla-Bobinski

-

"ADA" der ..... ist ein Kunstwerk mit Seele. Es agiert selber.  Ein postindustrielles Geschöpf, eine durch den Antrieb der Besucher kreativ schöpfende Künstler-Skulptur, ein selbst-schaffendes Kunstwerk von Karina Smigla-Bobinski, das einem silicon-carbon-hybrids, etwa aus der Nano-Biotechnologie ähnelt. Diese entwickelt genau solche rotierende Silicon-Carbon-Hybride, miniaturkleine Werkzeugmaschinen, die einfache Strukturen erzeugen können.

«ADA» ist sehr viel größer, ästhetisch auch komplexer, eine interaktive Art-Making-Machine, die mit Helium aufgefüllt, frei im Raum schwebt, eine durchsichtige, membranartige Kugel, bespickt mit Stacheln aus Kohlestücken. Sie hinterlassen an den Wänden, Decke und Boden Spuren, die «ADA» durch den Anstoß ihrer Besucher selbstständig produziert, was der Kugel eine Aura der Lebendigkeit und ihren schwarze Strichen den Anschein von zeichenhafter Bedeutung verleiht.

Die in Aktion versetzte Kugel stellt eine Komposition aus Linien und Punkten her, die in Intensität, Expressivität und Strichverlauf unberechenbar sind, obwohl sich der Besucher alle Mühe geben darf, «ADA» zu lenken, sie zu zähmen und zu beherrschen. Was immer er mit ihr anstellt, er wird sehr bald merken, dass «ADA» eine selbstständige Performerin ist, die die anfangs weißen Wände mit Zeichen übersät und ein faszinierendes, immer komplizierteres Liniengefüge entstehen lässt. Es ist visuell erfahrbar gemachte Bewegung, die wie ein Computer durch einen einmal eingegebenen Befehl selbstständig einen unvorhersehbaren Output erzeugt. Nicht umsonst erinnert «ADA» an Ada Lovelace, die im 19. Jahrhundert zusammen mit Charles Babbage die Vorstufe eines ersten Computers entwickelte. Babbage lieferte die Rechenmaschine und Lovelace die erste Software. Es kam zu einer Symbiose von Mathematik und dem «romantischen Erbe» ihres Vaters Lord Byron. Ada Lovelace wollte eine Maschine, die im Stande wäre, Kunstwerke, etwa Poesie, Musik oder Bilder, zu schaffen wie ein Künstler. «ADA» von Karina Smigla-Bobinski steht in genau dieser Tradition und der von Vannevar Bush, der 1930 eine Memex Maschine (Memory Index) baute («We wanted the memex to behave like the intricate web of trails carried by the cells of the brain») oder das Jacquard-Webstuhls, der, um Blumen und Blätter zu weben, nur eine Lochkarte benötigte, oder Babbages «Analytischen Maschine», die algorythmische Muster extrahierte.

«ADA» entstand im heutigen Geist der Biotechnologie, eine lebendige Performance-Maschine, deren Linienmuster mit der Zahl der Mitwirkenden komplexer wird und gleichsam Erinnerungsspuren hinterlässt, die weder die Künstlerin, die Besucher, geschweige denn «ADA» entziffern kann. Trotzdem ist Ihr Werk unverkennbar ein potenziell menschliches, weil als einziges Dekodierungsverfahren dieser Zeichen die Assoziation zur Verfügung steht, die unserem Hirn am meisten entspricht - während es sich selbst konfiguriert.

 

Quelle: Veranstalter - Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

Veranstalter

Muffathalle Betriebs GmbH