Wintersleep
| Datum: | Mittwoch, 15.09.2010 |
|---|---|
| Uhrzeit: | 21:30 Uhr |
| Veranstalter: | 59to1 GmbH |
| Ort: | 59:1 |
| Adresse: |
Sonnenstraße 27 80331 München |
Wintersleep
WINTERSLEEP waren fleißig. Zwei Jahre tourten sie durch die ganze Welt, schnappten sich in ihrer Heimat Kanada den Juno Award für Beste Neue Band und bestritten Konzerte mit u.a. WHITE LIES, den EDITORS und MACCABEES. Kaum mehr wegzudenken aus dem britischen Radio, ob es nun das stürmische „Oblivion“ war, was die Sender begeisterte, oder der kleine Festival Hit „Weighty Ghost“. Sie gaben Sessions für Zane Lowe bei Radio 1, 6 Music und XFM. Auch wurden sie überschüttet mit Platitüden in Mojo, Q, NME, Rock Sound, Clash, The Fly und The Word. Weniger gute Bands hätten versucht an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen mit einem einfachen Wiederaufguss des alten Rezeptes. Nicht so WINTERSLEEP. New Inheritors ist schon jetzt eines der ausgeklügelsten, dynamischsten, dunkelsten und mutigsten Rock Alben des Jahres. Es gilt viel Zeit zu töten, wenn man so lange auf Tour ist wie WINTERSLEEP, über 200 Shows, doch nutzten sie die Zeit zu ihrem Vorteil. So verbrachten sie unzählige Stunden damit, das Werk von Hank Williams, Jorge Luis Borges, Nathanial Hawthorne, Flannery O’Connor und Karen Dalton zu verschlingen und wurden immer besser darin, die Klangeigenschaften eines kleinen Venues zu verstehen sowie auch die Kraft einer 10.000er Halle. Während die Texte bisher doch sehr persönlich waren, neigen die Songs auf New Inheritors eher hin zu einer größeren Weltsicht. Der Erzähler bleibt Beobachter, kommentiert die Situation, ohne selbst Teil der Situation zu sein. Ohne Zweifel ein weitaus grüblerisches, undurchsichtigeres Album. Manchmal bleibt der Sinn im Verborgenen, scheinbar beabsichtigt. Man höre sich nur einmal den Pre-Chorus von „Blood Collection“ an, der an eine drohende, unbestimmte Gestalt denken lässt. Auf Momente und Erinnerungen wird angespielt über mehrere Songs. Übergreifende Themen wie Entfremdung und Niedergeschlagenheit spielen eine wiederkehrende Rolle. Doch sollte man sich nicht täuschen, das hier ist keine unglückliche Platte. Von Anfang bis Ende besticht New Inheritors mit schwungvollen, inspirierten Rock Songs. Aufgenommen in Montreal und gemischt in Glasgow mit Tony Doogan (MOGWAI, Malcolm Middleton, DIRTY PRETTY THINGS, TEENAGE FANCLUB, THE DELGADOS), zeichnet sich WINTERSLEEP s neuer Sound aus durch ausgedehntere Arrangements, gemäßigtere Verzerrung. Insgesamt geistig anspruchsvoller ist er. Erstmalig entschied sich die Band dazu, mit einem Arrangeur zusammenzuarbeiten für Bläser und Streicher, die, nicht so wie man meinen könnte, die Songs überlagern. Nein, sie sind Kernstück und nicht unbeholfenes Anhängsel. All diejenigen die dachten WINTERSLEEP bereits verortet und eingeordnet zu haben, sollten umdenken. Das neue Album wird unweigerlich mit allen Missverständnissen aufräumen. Eine große neue Zuhörerschaft dürfte der Band gewiss sein. Hiermit jedenfalls dürfte kaum einer gerechnet haben.
Quelle: Veranstalter
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